13. Juni 2019

Sprechen mit den Händen

Gebärden sind heute im schulischen Unterricht für Menschen mit Behinderung recht weit verbreitet. Doch wenn nach der Schulzeit der Übergang in das Arbeitsleben ansteht, bricht diese Möglichkeit zur Kommunikation häufig ab. In der Werkstatt des Tannenhofs will man dies jetzt ändern.

In der Gustav-Werner-Schule, Sonderschule für Menschen mit Behinderung in Ulm, wird jeder Unterricht mit Gebärden begleitet. Für Menschen mit einer geistigen Behinderung kann Gebärdensprache oder eine durch Gebärden ergänzte Kommunikation ein wertvoller Beitrag zur Interaktion sein, wenn andere Möglichkeiten der Verständigung eingeschränkt sind oder fehlen. Doch wenn die Schulzeit zu Ende geht, finden sich oft nur wenige Arbeitsangebote, in denen die Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen über die entsprechenden Kenntnisse verfügen.

„Wir haben uns in der Werkstatt des Tannenhofs in Ulm das Ziel gesetzt, Gebärden fest in unseren Alltag zu integrieren“, sagt Peter Siedl, Leiter Werkstätten und Service. Dies soll gleichermaßen in speziellen Fortbildungen wie spielerisch im Werkstatt-Alltag umgesetzt werden, denn nicht nur die Habila-Angestellten, sondern auch die Werkstatt-Beschäftigten sollen zumindest grundlegende Kenntnisse auf diesem Gebiet erwerben.

So läuft auf dem großen Bildschirm vor der Cafeteria nachmittags ein Video, in dem jeweils die „sechs Gebärden der Woche“ vorgestellt werden. Die Filme locken regelmäßig Mitarbeiter*innen und Beschäftigte vor den Monitor, wo sie zusammen die gezeigten Gebärden üben und gemeinsam Spaß dabei haben.

Für diejenigen, die sich tiefer ins Thema einarbeiten möchten, wurde eine Reihe von halbtägigen Fortbildungen in der Tannenhof-Werkstatt organisiert. Diese Fortbildungen werden von Walter Breitkopf, Fachoberlehrer und Leiter der Werkstufe in der Heimsonderschule Haslachmühle, abgehalten. In der Haslachmühle im oberschwäbischen Horgenzell leben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Hör-, Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung. Die Mitarbeiter*innen dieser Einrichtung haben die inhaltliche Gestaltung der Anleitung „Schau doch meine Hände an – Gebärdensprache für Menschen mit geistiger Behinderung“ übernommen, der vom Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. herausgegeben wird.

Eine erste Fortbildung in dieser Reihe hat am Tannenhof bereits stattgefunden. Die Teilnehmer*innen beschäftigten sich dabei vor allem mit Inhalten, die im Arbeitsalltag der Werkstatt von Bedeutung sind. Sie stellten dabei auch fest, dass es anfangs ziemlich anstrengend sein kann, fortlaufend komplette Sätze mit Gebärden zu formulieren.

Doch man war sich einig: Wir bleiben weiter dran und wollen richtig professionell werden. Denn das Ziel ist lohnend: Mehr Möglichkeiten schaffen für den Austausch mit nichtsprechenden Beschäftigten.

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