Brückenbauer für die Habila

Pascal Ongossi Assamba gibt Kolleg*innen mit Migrationshintergrund Deutschunterricht

Aus 56 Nationen kommen die Mitarbeiter*innen der Habila. Wenn sie bei uns starten, dann verstehen und sprechen nicht alle von ihnen ausreichend die deutsche Sprache, um z. B. eine Ausbildung beginnen zu können. Dafür ist ein bestimmtes Sprachniveau notwendig (B1 oder B2). Bei der Habila können deshalb Mitarbeiter*innen mit geringen Deutschkenntnissen berufsbegleitend und kostenfrei Deutschunterricht erhalten.

Dafür zuständig ist Dr. Pascal Ongossi Assamba. Er arbeitet als Sozialpädagoge im Rabenhof Ellwangen und leistet zusätzlich als Deutschlehrer mit seinem Unterricht bei der Habila einen wichtigen Beitrag zur Integration unserer Mitarbeiter*innen. Wir haben mit ihm über seine Arbeit, seine Erfahrungen und Erlebnisse gesprochen.

Der 46-jährige stammt aus Kamerun, spricht muttersprachlich Französisch, fließend deutsch und englisch und alltagstauglich spanisch. An der Universität in der Hauptstadt Yaoundé (Jaunde) hat er seinen Abschluss in Germanistik, Afrikanistik und Didaktik gemacht, anschließend mit einem Stipendium an der Universität Jena in Germanistik promoviert. Zur deutschen Sprache hat er schon sehr früh in seinem Leben eine besondere Beziehung gehabt. Die Schriftsteller der deutschen Romantik und ihr späterer Einfluss auf die Geschichte seines eigenen Landes beschäftigen ihn bis heute: Es wurde das Thema seiner Doktorarbeit, die er im Mai 2023 abgeschlossen hat.

Pascal Ongossi Assambas freundliche Stimme, sein offenes Wesen und sein Humor machen es ihm leicht, in wenigen Minuten und über alle Sprachbarrieren hinweg einen guten Kontakt zu seinen Lernenden zu finden. „Wir verständigen uns auf verschiedene Arten, wir brauchen unsere Hände und, wir brauchen unseren ganzen Körper plus Sprache“, lacht er. Und so unterrichtet er die Kolleg*innen an den Habila-Standorten online und in Präsenz, in Gruppen oder auch im Einzelunterricht. Seine Deutschkurse sind ausgelegt für Anfänger (A1) und Fortgeschrittene (B1 und B2). Seit seinem Start im Januar 2023 hat er über 50 Schüler*innen unterrichtet. „Aktuell habe ich insgesamt 19 Schüler*innen aus 17 Ländern: Uganda, Kenia, Kolumbien, Nigeria, Indien, Madagaskar, Vietnam, Usbekistan, Kamerun, Kosovo, Türkei, Namibia, Ukraine, Jamaika, Russland, Ruanda und Elfenbeinküste“ zählt er nach und ist dabei selbst ein bisschen erstaunt.

Mitarbeiter, die einen Sprachkurs bei ihm absolvieren möchten, sprechen darüber mit ihrer vorgesetzten Führungskraft. Für alle Fragen vorab, kann man sich direkt mit Pascal Assamba in Verbindung setzten.

Online- und Präsenzunterricht

Zu Beginn eines Kurses, so erzählt Pascal Assamba, hätten manche Lernende eine gewisse Scheu: „Sie denken vielleicht, sie könnten nur von einem Deutschen die Sprache richtig lernen. Aber sie merken schnell, dass wir viel mehr auf Augenhöhe miteinander sind, weil für uns alle die deutsche Kultur besonders und vielleicht ungewohnt ist. Dann erzähle ich meine persönliche Geschichte, wie ich hier nach Deutschland gekommen bin und es entwickelt sich ein Vertrauen. Das ist wichtig, um zu lernen. Und am Ende sagen sie dann sehr oft: „Ich habe wirklich Glück gehabt, mit Ihnen zu arbeiten!“

Ein Kurs mit je zwei Unterrichtseinheiten pro Woche dauert zwei bis drei Monate, je nachdem wie hoch der Anteil an Präsenzunterricht ist. Onlineunterricht ist zwar einfacher zu organisieren, aber der Lerneffekt ist größer, wenn man direkt miteinander in Kontakt kommt, vor allem bei Gruppenkursen. Für den Präsenzunterricht an einem Standort müssen alle Teilnehmenden auch gerade dienstfrei haben. Ein solcher Kurs wird nach Möglichkeit einmal im Monat an jedem Standort organisiert. Für Pascal Assamba bedeutet es, dass er einmal im Monat von Ellwangen aus jeweils zu diesen Standorten fahren muss. „Zum Glück fahre ich sehr gerne Auto.“ Seine Erfahrung zeigt aber auch: „Die Kursteilnehmenden lernen viel intensiver und schneller, wenn man sich gegenüber sitzt.“

Auf die Frage, warum ihm seine Aufgabe so viel Freude macht, zitiert Pascal Assamba einfach mal eben aus der Hüfte Johann Wolfgang von Goethe: „Wer die deutsche Sprache versteht und studiert, befindet sich auf dem Markte, wo alle Nationen ihre Waren anbieten - er spielt den Dolmetscher, indem er sich selbst bereichert,“ sagt er und strahlt dabei: „Das bin ich! Ich meine damit, dass ich mich sprachlich, kulturell und auch philosophisch bereichere. Ich erfahre im Unterricht, was man zum Beispiel in Jamaika und Kolumbien am liebsten isst und wie man in Vietnam lebt, weil wir auf Deutsch darüber sprechen.“

Was für eine ungewöhnliche Interpretation von Offenheit und Toleranz. In einem Unternehmen wie der Habila, in dem Menschen aus so vielen Kulturen arbeiten, ist ein solches „Bereichern“ ein sehr praktikabler Weg zu einem gelingenden Miteinander.

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