Umfeldsteuerung für Menschen mit Körperbehinderung

Einbindung einer Umfeldsteuerung für Menschen mit Körperbehinderung und hohem Quer­schnitt (z.B. Auslösen des Schwesternrufs, Lichtsteuerung, Jalousiesteuerung)

Kurzbeschreibung

Gesucht wird eine einfache Möglichkeit um Gegenstände im direkten Umfeld anzusteuern und zu bedienen. Die betroffene Person möchte dafür kein Handy benutzen.

Problem

Die Person kann aufgrund der körperlichen Einschränkungen nur wenige Stunden am Tag im Rollstuhl sitzen. Die restliche Zeit verbringt sie im Bett. Dort ist sie dauerhaft auf externe Unterstützung angewiesen um das Licht ein oder auszuschalten oder um den Rollladen zu bedienen.

Ziel

Eine Möglichkeit finden, selbstständig und ohne zusätzliche Unterstützung das Licht und den Rollladen zu bedienen. Gerne auch den DVD Player einschalten.

Zweck

1) Selbständigkeit und Unabhängigkeit erhalten und fördern.
2) Soziale Teilhabe in der alltäglichen Interaktion.

Ressourcen

Die betroffene Person ist offen für Neues. Sie ist in der Lage eine Fernbedienung zu benutzen.

Bisherige Lösung

Das begleitende Umfeld musste auf Zuruf das Licht und den Rollladen bedienen, sowie den DVD-Player einschalten.

Ergebnis

Auf Basis der recherchierten Lösungen erfolgt ein interaktiver Beteiligungsprozess der fachlichen und ethischen Reflexion mit dem Klienten, seinen Unterstützern, Fachexperten und weiteren Beteiligten.
In dieser Fallstudie nahm der Prozess vom ersten Lösungsvorschlag bis zur Implementierung einer aus Klientensicht geeigneten Lösung etwa 4 Monate in Anspruch und verlief in folgenden Schritten:

  • Befüllen der oben genannten Punkte und ein projektinterner Rechercheauftrag.
  • Veranschaulichung des Bedarfs und der örtlichen Situation durch Fotos und Videos.
  • Austausch mit Experten über Lösungsvorschläge.
  • Vorstellung von Lösungsalternativen:
    • Zwei Fernbedienungen:
      Fernbedienung 1 steuert den DVD Player an.

Fernbedienung 2 steuert Licht und Rollladen.

  • Eine Fernbedienung für alle Geräte.
  • Eine Fernbedienung für den DVD Player. Die Person kann sich auch eine Sprachansteuerung für Licht und Rollladen vorstellen.

 

Für die Ansteuerung vom DVD Player ist wichtig, dass die sogenannte Sichtachse zwischen Fernbedienung und DVD Player vorhanden, also das Infrarotsignal nicht gestört, ist.

Es sollte vorher geklärt werden, welche Funktionen die Fernbedienung erfüllen soll. (Play, Stop, Spulen etc.)

  • Fachliche und ethische Reflexion:
    Beim Austesten der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten zeigte sich, dass die Person Schwierigkeiten mit kleinen Tasten einer klassischen Fernbedienung hat. Zum Teil fällt das Auslösen der Tasten schwer. Der Bewegungsradios der Arme ist eingeschränkt so dass die Auslösekraft gering ist. Fernbedienungen mit weniger Tasten waren im Umgang weitaus praktischer und angenehmer im Umgang.

    Das Zimmer wurde so umgestellt, dass die Sichtachse vorhanden und der DVD Player vom Bett aus gut zu bedienen ist.

    Die Möglichkeit alle Geräte mit einer Fernbedienung in Form eines Tablets ansteuern zu können, war für die Person sehr attraktiv. Allerdings hatte sie große Bedenken wegen der Anschaffung von teuren Geräten und weiteren Kosten wie für laufendes Internet.
  • Für die Idee der Sprachansteuerung sowie die tabletbasierte Variante wurden zwei Hilfsmittelfirmen vor Ort eingeladen. Die Person hat drei Systeme ansehen und ausprobieren können.
    • Sprachansteuerung: Ein Gerät, das auf jede Stimmte gut reagiert – ein Einlernen ist nicht nötig. Mit einfachen Befehlen können die Geräte im Umfeld gesteuert werden. Zusätzlich zu den gewünschten Funktionen können weitere wie z.B. ein Telefon ergänzt werden. Die Befehle sind so hinterlegt, dass sie auch schnell gefunden werden können, falls sie mal nicht präsent sind.
    • Tabletbasiert: Über eine App auf einem Tablet können über Touch Geräte im Umfeld angesteuert werden.
    • Sprachansteuerung: Ähnlich dem Oberen nur das Gerät selbst ist wesentlich größer. Es gibt keine Möglichkeit ohne Hilfsmittel die Befehle zu erfragen.
  • Die Person war von den vorgestellten Systemen positiv überrascht und hat sich nach einiger Bedenkzeit noch einmal mit ihrer Bezugsperson beraten.
  • Nach der Entscheidung für Sprachansteuerung 1 konnten alle Materialien über die Hilfsmittelfirma bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden. Diese hat die Kosten komplett übernommen.
  • Das System wurde eingerichtet. Zu den gewünschten Funktionen sind weitere Funktionen hinzugekommen. Beim Austesten gab es technische Schwierigkeiten, die ein Nutzen des hausinternen Schwesternnotrufs momentan nicht möglich machen. Bei der Installation des Pflegebetts gab es einen Defekt, der in der Zwischenzeit jedoch behoben werden konnte.
  • Die Person eine Liste der Sprachbefehle an der Wand neben ihrem Bett hängen, so dass alle Befehle immer parat sind.

Fazit

Die Person hatte sich mehr Selbstständigkeit in ihrem Zimmer gewünscht. Dank der Sprachsteuerung ist sie nun in der Lage noch mehr Funktionen nutzen zu können als sie sich gewünscht hatte:

Folgende Gegenstände im Umfeld kann sie nun mit einfachen Sprachbefehlen ansteuern: das Deckenlicht sowie zwei kleiner Lampen für die indirekte Beleuchtung; die Rollläden; das Pflegebett; den Fernseher; den DVD Player; das Telefon. Die Formulierung „einfache Sprachbefehle“ bezieht sich lediglich auf kurze und knappe Bemerkungen, die Geräte können in ihrem vollen Umfang genutzt werden und sind nicht auf wenige Funktionen beschränkt.

So kann die Person unabhängig von dem Begleitenden Umfeld agieren. Und es ist sicher auch angenehm, Gästen das Licht anzumachen oder den Rollladen etwas herab zu lassen, falls die Sonne blendet.