Einsatz von tabletbasierten Systemen im Sozialraum

Einsatz eines Tablets für mehr Teilhabe im Sozialraum.

Kurzbeschreibung

Gesucht wird eine Möglichkeit der Unterstützten Kommunikation für eine Person mit gutem Sprachverständnis, die jedoch nicht in der Lage ist sich lautsprachlich verständlich zu machen.

Problem

Die Person ist sehr gesellig und interessiert am Geschehen im Sozialraum und in ihrem Wohnumfeld. Sie nimmt gern von sich aus Kontakt zu anderen auf und versucht eine Verständigung in Form von Lauten, eigenen Gesten oder Zeigen. Häufig wird sie dann nicht verstanden, was beidseitig zu Frustration führt.

Ziel

Materialen und Medien der Unterstützten Kommunikation finden, die einen Austausch im Sozialraum möglich machen. Erstes großes Ziel wäre ein Einkauf beim Bäcker nebenan oder eine kleine Verständigung bei der öffentlichen Boulegruppe im Park. (Anmerkung: das zweite Ziel konnte aufgrund der Coronasituation leider nicht verfolgt werden. Vorher wurde die Person regelmäßig von einer kleinen privaten Boulegruppe zum Mitspielen eingeladen.)

Zweck

1) Selbständigkeit wird erhalten und gefördert.
2) Soziale Teilhabe wird gefördert.
3) Selbstbestimmte Eroberung das Sozialraums.

Ressourcen

Die Person zeigt großes Interesse an Sprache und Austausch und ist sehr neugierig. Sie versucht zu sprechen und nimmt alternative Kommunikationsmöglichkeiten für sich an: z.B. Gesten, eigene Gebärden, eigene Laute. Sie ist sehr interessiert an Technik und testest die Möglichkeiten neue Geräte und Gegenstände auf ihre Weise aus.

Bisherige Lösung

Da die Person nur ihre eigenen Möglichkeiten der Kommunikation hatte, musste sie bisher im Sozialraum immer begleitet werden. Die Begleitung hat dann bei der Kommunikation geholfen.

Ergebnis

Auf Basis der recherchierten Lösungen erfolgt ein interaktiver Beteiligungsprozess der fachlichen und ethischen Reflexion mit dem Klienten, seinen Unterstützern, Fachexperten und weiteren Beteiligten.
In dieser Fallstudie nahm der Prozess vom ersten Lösungsvorschlag bis zur Implementierung einer aus Klientensicht geeigneten Lösung etwa 12 Monate in Anspruch und verlief in folgenden Schritten:

  1. Befüllen der oben genannten Punkte und ein projektinterner Rechercheauftrag.
  2. Veranschaulichung des Bedarfs und der örtlichen Situation durch Fotos und Videos.
  3. Externe Schulung zu einer Methode der Unterstützten Kommunikation. Erste Ausstattung des Wohnbereichs mit technischen Leihgaben und weiteren Materialien.
  4. Coronabedingte, längere Testphase der Leihgaben mit ersten Erfolgen.
  5. Interne grundlegende Schulung zum Thema Unterstützte Kommunikation für das gesamte Team. Über das Projekt konnte ein „UK-Starter-Kit“ finanziert werden, der Geräte für die Umfeldsteuerung, kleine Elektronische Kommunikationshilfen und vorgefertigte symbolbasierte Materialien enthält.
  6. Fachliche und ethische Reflexion: Nach der ersten Auseinandersetzung mit dem Thema Unterstützter Kommunikation und deren Möglichkeiten mit der betroffenen Person, aber auch dem ganzen Wohnumfeld, konnte nach einer weiteren diagnostischen Beratung die Entscheidung für ein eigenes IPad getroffen werden. Erste Hürden und falsche Eindrücke konnten durch ein Austesten im Alltag überwunden werden. Die Person konnte durch die Ergänzung von Symbolen, Gebärden und Sprachausgabegeräten ihre vorhandenen kommunikativen Fähigkeiten zeigen und auch erweitern.
  7. Die Person wurde mit einem IPad samt Stoßschutz versorgt, dass mit einer Software versehen wurde. Zusätzlich hat sie eine individuelle Tragetasche bekommen, um die Kommunikationshilfe dauerhaft bei sich tragen zu können.
  8. Eine stetige Auseinandersetzung mit dem Hilfsmittel im Team und das große Interesse der Person hat schnell zu ersten, sehr bedeutenden Erfolgen geführt.
  9. Es folgte eine ergänzende interne Schulung zum Thema Unterstützte Kommunikation für das Team.

Fazit

Diese Fallstudie ist ein gelungenes Beispiel für die Unterstützte Kommunikation, deren Möglichkeiten und Grenzen. Die Probandin hatte nie die Gelegenheit, ihre kommunikativen Fähigkeiten zu erweitern, da ihr das Sprachverständnis im weitesten Sinne abgesprochen wurde. Sie lebt nun in einem Umfeld, das durch den täglichen Umgang mit ihr, das feste Vertrauen in sie und ihre Fähigkeiten haben. Sie konnten herausfinden, dass die Person durchaus in der Lage ist dazu zu lernen und hatten großes Interesse daran, ihr neue Möglichkeiten anzubieten. Alle Mitarbeiter waren bereit, einen neuen Weg zu gehen, neue Materialien und Methoden auszutesten und anzubieten und auch ihren eigenen Horizont zu erweitern. Trotz der erschwerten Umstände hat man Zeit in Schulungen und, vor allem, bewusst eingesetzte Testphasen investiert. So konnte die Probandin, das Team aber auch die anderen Mitbewohner von den Methoden und Materialien profitieren. Denn nicht nur sie ist in der Lage ihre kommunikativen Möglichkeiten zu erweitern.