Herdüberwachung

Herdüberwachung (automatische Abschaltung) zur Vorbereitung einer eigenständigen Haus­haltsführung eines Menschen mit geistiger Behinderung.

Kurzbeschreibung

Gesucht wird eine Lösung, um den Backofen bei Überhitzung oder Leerlauf abzuschalten.

Problem

Der Backofen muss täglich vom ambulanten Dienst eingestellt werden. Einstellung durch den Kunden ist nicht möglich, da zu komplex. Nach Ablauf der Programmzeit heizt die Backröhre weiter. Die Abschaltung erfolgt nach Zeitablauf nicht automatisch. Beim Versuch, den Herd abzuschalten, kommt es ca. 1-2x im Monat zu Fehleinstellungen.

Ziel

Der Backofen schaltet bei Überhitzung oder Leerlauf automatisch ab.

Zweck

Selbstständigkeit wird erhalten und gefördert. Selbstversorgung wird gefördert. Sicherheit des Kunden ist gewährleistet.

Ressourcen

Einfache Schalter und Drehknöpfe können bedient werden. Eine Zeitvorwahl ist im Backofen integriert.

Ergebnis

Auf Basis der recherchierten Lösungen folgt ein interaktiver Beteiligungsprozess der fachlichen und ethischen Reflexion mit dem Klienten, seinem Unterstützungssystem, Fachexperten und weiteren Beteiligten.

In dieser Fallstudie nahm der Prozess vom ersten Lösungsvorschlag bis zum Abschluss der Fallstudie etwa 6 Monate in Anspruch und verlief in folgenden Schritten:

  1. Befüllung des Rasters (s.o.) und Rechercheauftrag an das ZTM - Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen
  2. Sich wiederholender Prozess zur Konkretisierung der Ziel-Problem-Ressourcen-Konstellation. Veranschaulichung des Bedarfs und der örtlichen Situation durch Fotos und Videos.
  3. Vorstellung von Lösungsalternativen durch das ZTM.

    • Alternative 1: Mit einem Grobhandschalter die Spannungszufuhr ansteuern. Einschaltprozess muss geklärt werden.
      Abklärung: Ein Defekt des aktuellen Geräts wurde erkannt und behoben.
      Weitere Überlegungen zur Alternative 1 zieht Folgendes nach sich: Erweiterungen im Bereich des Schaltschrankes bedeuten großen Aufwand und hohe Kosten. Andere Lösungen, die zwischen die bestehende Herdanschlussdose und den Herd geschalten werden, sind grundsätzlich in dieser Konstellation technisch nicht zulässig.

    • Alternative 2: Ein-Aus-Schalter über ein Funk-Modul parallel ansteuern.
      Abklärung: Eine smarte Lösung ist zurzeit nicht möglich. Der Eingriff in die Elektronik des Gerätes kann die Approbation des Gerätes betreffen, so dass es u.U. nicht mehr an das Stromnetz angeschlossen werden darf.

    • Alternative 3: Ein neuer Herd
      Abklärung: Entscheidung in Abstimmung mit dem Klienten und seinem häuslichen Umfeld: aus persönlichen Gründen kann der Neuanschaffung eines Herds nicht zugestimmt werden.
      Fachliche und ethische Reflexion: trotz ausführlicher Gespräche über den Mehrwert von Selbstbestimmung, Selbstständigkeit und Teilhabe konnte einer Herdneuanschaffung nicht zugestimmt werden.

Fazit:

Der Wunsch bzw. die Erfüllung von Teilhabe ist von vielen Faktoren abhängig. Im interaktiven Beteiligungsprozess zwischen Klienten, seinem Unterstützungssystem, Fachexperten und weiteren Beteiligten kann es vor allem bei der ethischen Reflexion zu Missverständnissen und unterschiedlichen Wertekonstellationen kommen. So musste die Fallstudie wegen zu großer Diskrepanzen abgebrochen werden.